Debatte um antisemitischen Namenspatron der Universität Greifswald beschäftigt Landtag

Antisemit und Namenspatron der Universität Greifswald: Ernst Moritz Arndt. Quelle: wikipedia.org

Im Januar hatte der erweiterte Senat der Universität Greifswald für eine Ablegung des Namenszusatzes „Ernst Moritz Arndt“ gestimmt. Bildungsministerin Hesse (SPD) kippte den Beschluss, aus formalen Gründen, wie es hieß. Im Landtag sprachen sich AfD-Vertreter für die Beibehaltung des Namenszusatzes der Greifswalder Universität aus.

Von Franziska Wilke und Marko Neumann

Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) hat die Änderung des Namens der Universität Greifswald gestoppt. Der Namenszusatz „Ernst Moritz Arndt“ sei von den Gremien auf formell falschem Weg gestrichen worden, teilte ihr Ministerium mit. Bevor der erweiterte Senat der Universität im Januar seinen Beschluss fasste, hätte sich der engere Senat damit befassen müssen. Deshalb könne sie dem Beschluss nicht zustimmen. [1]

AfD für Beibehaltung des Namenszusatz

Ernst Moritz Arndt, der knorrige Vorpommer von der Insel Rügen, hat es 157 Jahre nach seinem Tod in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern geschafft. „Arndt war kein Franzosenhasser und expliziter Antisemit, er war ein Patriot und ein Kämpfer gegen die Leibeigenschaft“, lobte der Greifswalder Professor Ralph Weber von der AfD-Fraktion gestern vor dem Parlament den einstigen Dichter. [2]

Die rechtspopulistische AfD hatte diesen bislang sehr emotional geführten Streit in die Parlamentsdebatte befördert und beantragt, dass die Landesregierung einer Streichung des Namens nicht zustimmt. [3]

Neue Abstimmung zur Namensänderung angesetzt

Eine erneute Abstimmung über die Ablegung des Namens „Ernst Moritz Arndt“ an der Universität Greifswald könnte möglicherweise bereits in der kommenden Woche erfolgen. Wie ein Universitätssprecher am Mittwoch sagte, haben mehrere Senatoren einen neuen Antrag für die Senatssitzung am 15. März eingereicht. Dieser Antrag sehe die Änderung der Grundordnung dahingehend vor, den Namenszusatz „Ernst Moritz Arndt“ aus dem Universitätsnamen zu streichen. Der Antrag ist nach Angaben des Uni-Sprechers noch am Dienstag nach der Entscheidung des Bildungsministeriums eingegangen. Bei der Sitzung am kommenden Mittwoch soll zunächst die rechtliche Situation bewertet und dann entschieden werden, ob über den Antrag im Senat abgestimmt werde. [4]

Das höchste Hochschulgremium, der erweiterte Senat, hatte Mitte Januar mit Zwei-Drittel-Mehrheit die Ablegung des Namens des umstrittenen Patrons Arndt (1769-1860) beschlossen. Arndt hatte Anfang des 19. Jahrhunderts gegen Napoleon und die Franzosen polemisiert. Arndt hat auch antisemitische und nationalistische Schriften veröffentlicht. Die Nationalsozialisten sahen in ihm einen Vordenker. [5]

Fußnoten:

[1] http://www.fr.de/kultur/formfehler-ernst-moritz-arndt-bleibt-a-1125825

[2] http://www.svz.de/regionales/mecklenburg-vorpommern/nomen-est-omen-id16303766.html

[3] http://www.nnn.de/regionales/mecklenburg-vorpommern/nomen-est-omen-id16303766.html

[4] http://www.abendblatt.de/region/mecklenburg-vorpommern/article209866707/Neuer-Anlauf-zur-Streichung-des-Uni-Namens.html

[5] http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1557570