Der 8. Mai als Tag der Befreiung: Vermächtnis für Gegenwart und Zukunft

Das KZ Płaszow, zunächst ein Arbeitslager, in der Nähe von Krakau, Polen. Quelle: wikipedia.org

Der 8. Mai 1945 gehört zu den bekanntesten Daten der Weltgeschichte, besiegelte dieser Tag doch das Ende des sogenannten „Großdeutschen Reiches“ unter Adolf Hitler. Die meisten Menschen waren froh, dass der Krieg mit all seinen Schrecken nach sechs langen Jahren, endlich vorbei war. Über 60 Millionen Tote und ein halber Kontinent, der in Trümmern lag, waren das Ergebnis. Der 8. Mai wurde als Befreiung und als Ende des Krieges gefeiert.

Doch seit einigen Jahren wird, vor allem von Vertriebenenverbänden und rechtsgerichteten bis rechtsextremen Organisationen, die Frage nach der Bedeutung des 8. Mai 1945 für die (deutsche) Geschichte wieder neu gestellt. Ist der 8. Mai 1945 nun der Tag, an dem die Menschen vom deutschen Faschismus befreit wurden, oder doch nur der Tag einer deutschen Niederlage?

Wie fing es an?

Eines der Argumente für die Behauptung, der 8. Mai sei eine deutsche Niederlage, sind unter Anderem die Vertreibungen Deutscher, sowie Vergewaltigungen deutscher Frauen durch sowjetische Soldaten. Doch was waren die Ursachen für die Vertreibungen und wie kam es zu den Vergewaltigungen? Um diese Fragen beantworten zu können, ist es wichtig, weiter in die Vergangenheit zurück zuschauen.

Gehen wir also zurück ins Jahr 1939, in das Jahr, in dem der Zweiter Weltkrieg begonnen wurde. Mit der Begründung, polnische Nationalisten hätten den deutschen Rundfunksender Gleiwitz angegriffen, überfiel die deutsche Wehrmacht am 1. September Polen. Der vermeintlich polnische Angriff wurde allerdings von der deutschen Führung fingiert, wie sich bald herausstellen sollte. Ein Krieg gegen Polen war also von der deutschen Führung, insbesondere Adolf Hitler, gewollt und langfristig vorbereitet!

Mit Beginn des Krieges kam es zu Kriegsverbrechen nie gekannten Ausmaßes. Die jahrelange Indoktrinierung der Deutschen durch die goebbelsche Propaganda zeigte hier nun ihre Wirkung. Ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung zu nehmen, setzte die Wehrmacht ihr „Blitzkrieg“ – Konzept um. Polnische Juden wurden, wie zuvor schon deutsche Juden, systematisch verfolgt, zur Zwangsarbeit verschleppt und/oder sogar ermordet! Nicht viel anders erging es der polnischen Zivilbevölkerung, war doch alles Slawische für die Nazis „Untermenschentum“ und galt deshalb als „lebensunwürdig“.

Viel schlimmer konnte es doch aber nicht kommen!?

Konnte es doch! Die Verbrechen an der polnischen Bevölkerung waren noch nicht das Ende der Schrecken. Das eigentliche Ziel er nationalsozialistischen Diktatur war die Vernichtung des Kommunismus und die „Eroberung von Lebensraum im Osten“. Das hieß Krieg mit der Sowjetunion. Am 22. Juni 1941 überfiel Hitlerdeutschland wortbrüchig die Sowjetunion und riss damit die letzten Schranken der Moral und des Völkerrechts nieder. Ausgehend vom „Kommissarbefehl“ und anderen „Führererlassen“ hieß das im Klartext: Hemmungslose Kriegsverbrechen wie das Anzünden und Brandschatzen ganzer Dörfer und Ortschaften, das Ermorden sowjetischer Zivilisten und das Erschießen von Kriegsgefangenen, die Ausplünderung ganzer Landstriche, die Taktik der „verbrannten Erde“!

Je länger der Krieg dauerte, desto schlechter wurde die Kriegslage für das „Dritte Reich“ und umso grausamer wurden auch die Kriegsverbrechen. Als die Rote Armee begann, ihre verlorenen Gebiete zurück zu erobern, fanden ihre Soldaten zerstörte Häuser und Fabriken, abgeschlachtetes Vieh, ermordete Familien, ein zerstörtes und verwüstetes Land vor. Jahre des Aufbaus waren dahin, riesige Verluste und unermessliches Leid waren das Ergebnis eines barbarischen Krieges, geführt von Deutschen und ihren Verbündeten. Obwohl zu Humanismus und Völkerfreundschaft erzogen, überwucherten auch Hass und Wut und Zorn die Gefühle der Rotarmisten angesichts dessen, was sie sehen und erleben mussten und Ausschreitungen blieben nicht aus, als sie die Grenzen des „Deutschen Reiches“ erreichten und überschritten, das sich selbst als ihr grausamster Feind erklärt und auch so aufgeführt hat.

Nicht nur Soldaten waren unter den Toten!

Mit den Befreiungen der Konzentrationslager, wie Auschwitz, Majdanek, Mauthausen oder Treblinka, kam das gesamte Ausmaß der Verbrechen des NS-Regimes zum Vorschein! Medizinische Experimente an Zwillingen, kleinen Kindern und Alten führten oft zum grausamen Tod der KZ-Häftlinge , oder sie starben während der Arbeit in Fabriken bei unwürdigsten Bedingungen. In Deutschland waren es Lager, wie Buchenwald, Ravensbrück oder Bergen-Belsen oder Barth in die Menschen verschleppt wurden. Sinti, Roma, Juden, Homosexuelle und Andersdenkende – also alle, die nicht in die „Volksgemeinschaft“ der Nazis passten.

Was du nicht willst, das man dir tu´ …

Wenn die Mehrheit der Deutschen Hitler und das NS-Regime nicht unterstützt hätte, dann wäre es zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wahrscheinlich gar nicht erst gekommen. Die Länder Europas wären nicht in „verbrannte Erde“ verwandelt worden und es hätte den Holocaust an den Juden nicht gegeben! All diese Verbrechen wären nie passiert und die Vertriebenen könnten noch heute in ihrer früheren Heimat leben. Die Vertreibungen in Folge der Verbrechen der deutschen Wehrmacht, der SS und der Gestapo hätte es nicht gegeben, genauso wenig, wie die Vergewaltigung tausender Frauen, nicht nur deutscher. Deutsche Städte, wie Dresden, wären nicht von alliierten Bombern zerstört worden!

Kein Haus wäre zerstört worden, weder auf deutscher, noch auf sowjetischer, noch auf irgendeiner anderen Seite! Millionen Leben wären verschont geblieben!

Dennoch, es gibt keine Kollektivschuld der deutschen Bevölkerung, die kann es gar nicht geben, denn jeder Mensch ist ein Individuum und erlebt die Welt anders und hat andere Möglichkeiten, auf seine Umgebung einzuwirken. Aber eines sei an die gerichtet, die jetzt denken, sie seien damit aus dem Schneider: eine Kollektivverantwortung, die gibt es durchaus! Und zwar ist es die Verantwortung, die Erinnerung an die Verbrechen der Vergangenheit wach zu halten und der Nachwelt auf zu zeigen, wie es damals gewesen ist, damit künftige Generationen daraus lernen können und begreifen, dass Hass und Gewalt nur Gegenhass und Gegengewalt hervor rufen! Die Welt ist groß genug für alle Menschen, unabhängig von Hautfarbe, Glauben oder Sprache.

Darum steht auf und zeigt, dass Gewalt und Kriege keine Probleme lösen, sondern im Gegenteil, die Probleme selbst sind! Der 8. Mai 1945 ist ein Tag der Befreiung für alle friedliebenden Menschen! Eine Niederlage ist er nur für die Verbrecher, die den schrecklichen Krieg entfesselten und Millionen Menschen damit umbrachten.