Der Holocaust als „Mythos“: niedersächsischer AfD-Politiker sorgt für Entsetzen

"Arbeit macht frei" - Das Eingangstor des Stammlagers Auschwitz, polnisch Oświęcim. Quelle: wikipedia.org

 

Der Vorsitzende der AfD-Niedersachsen, Wilhelm von Gottberg, bezeichnet den Holocaust an den europäischen Juden als „Mythos“. Besonders pikant: er könnte der nächste Alterspräsident des deutschen Bundestages werden.

Von Franziska Wilke und Marko Neumann

Der Alterspräsident des neuen Bundestages wird nach Lage der Dinge ein mutmaßlicher Holocaust-Leugner sein. Der AfD-Politiker Wilhelm von Gottberg, designierter Alterspräsident des neu zu wählenden Deutschen Bundestages, hat nach Informationen der Wochenzeitung „Die Zeit“ den Holocaust als „Mythos“ und als „wirksames Instrument zur Kriminalisierung der Deutschen und ihrer Geschichte“ bezeichnet. [1]

Im „Ostpreußenblatt“ zitierte Gottberg 2001 zudem den italienischen Neofaschisten Mario Consoli mit den Worten: „Die Propaganda-Dampfwalze wird mit den Jahren nicht etwa schwächer, sondern stärker, und in immer mehr Staaten wird die jüdische ‚Wahrheit‘ über den Holocaust unter gesetzlichen Schutz gestellt.“ [2]

Außerdem zitierte er den Italiener Mario Consoli mit den Worten: „Jeder noch so fadenscheinige Vorwand (…) ist gut genug, um den Holocaust in Erinnerung zu rufen. Die Propaganda-Dampfwalze wird mit den Jahren nicht etwa schwächer, sondern stärker (…).“ Und: „Der Holocaust muß ein Mythos bleiben, ein Dogma, das jeder freien Geschichtsforschung entzogen bleibt.“ Von Gottberg kommentierte das Zitat in dem Artikel mit: „Wir haben dem nichts hinzuzufügen.“ [3]

Von Gottberg ist Mitglied des Landesvorstands der AfD Niedersachsen. Er wollte sich auf Anfrage der „Zeit“ nicht zu den Zitaten äußern. Er erklärte aber, er habe sich in der Vergangenheit entschuldigt. [4]

„Das ist ein etwas leichtfertiges Zitat gewesen, was ich bedauert habe“, sagte von Gottberg der Deutschen Presse-Agentur. Er habe dieses Bedauern damals in einer Regionalzeitung öffentlich gemacht. [5]

Von Gottberg wurde 1940 in Ostpreußen geboren, das heute in Polen liegt. In den siebziger Jahren war er der Landsmannschaft Ostpreußen beigetreten, 1992 wurde er deren Vorsitzender. In einem Interview mit der ‚Jungen Freiheit‘ hatte er von Polen und Tschechien eine Entschuldigung für die „völkermordartigen Vertreibungsverbrechen“ an den Deutschen verlangt, außerdem sprach er von einem „Rückkehrrecht in die Heimat“ Ostpreußen. [6]

Fußnoten:

[1] http://www.mz-web.de/26199938

[2] http://www.huffingtonpost.de/2017/03/15/von-gottberg-holocaust_n_15382496.html

[3] http://www.br.de/nachrichten/afd-gottberg-holocaust-100.html

[4] http://www.huffingtonpost.de/2017/03/15/von-gottberg-holocaust_n_15382496.html

[5] http://www.br.de/nachrichten/afd-gottberg-holocaust-100.html

[6] http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-03/wilhelm-von-gottberg-afd-holocaust-zitat-distanzierung