Deutsche Zustände – Rassistischer Alltag in der Bundesrepublik

Antirassistische Demonstration gegen rassistische Hetze. Quelle indymedia.linksunten.org

Auch über 20 Jahre nach dem Pogrom in Rostock-Lichtenhagen kämpfen Asylsuchende immer noch für elementare Menschenrechte in Deutschland, werden Roma stigmatisiert sowie in eine unsichere Zukunft abgeschoben. Der Neuköllner Bürgermeister sowie Freund Sarrazins, Heinz Buschkowsky, diffamiert und kriminalisiert in seinem Stadtteil lebende Menschen. Nur wenn wir die Ursachen von Rassismus – wie der soziale Abstieg und Zukunftsängste ganzer Bevölkerungsschichten – kann Alltagsrassismus verhindert werden.

„Ausländer sind kriminell“, „die nehmen uns die Arbeitsplätze weg und leben auf Kosten unseres Sozialstaates!“, „ich fühl mich ja schon fremd im eigenen Land“ oder „diese Moslems sind alle potenzielle Terroristen“ – Solche und ähnliche Äußerungen hat wahrscheinlich jede*r schon einmal gehört. Egal ob am Arbeitsplatz, in der Schule, am Ausbildungsplatz, an der Uni, in der Bahn oder am Tisch mit der Familie. Die Beispiele zeigen, dass rassistische und andere menschenverachtende Einstellungen keinesfalls Erscheinungen sind, die sich nur bei einer kleinen Gruppe von Menschen – Nazis mit einem geschlossenen Weltbild – finden. Tatsächlich gehören sie beinahe zur gesellschaftlichen Normalität und treten in allen Teilen der Gesellschaft sowie den Medien auf.

Dass sie weit verbreitet sind und alltäglich vorkommen, heißt aber keineswegs, dass diese Sprüche unproblematisch sind. Vor allem sind sie auch sehr vereinfachend: „Die Ausländer“ beispielsweise gibt es schlichtweg nicht. Menschen, die von „den Ausländern“ sprechen, meinen damit statt Menschen ohne deutschen Pass – wie das eigentlich richtige Definition lautet – all diejenigen, die sie als irgendwie „fremd“ oder „anders“, also „unnormal“ aussehend wahrnehmen. In der Folge werden unter diesem Etikett gleichsam Menschen mit Migrationshintergrund, schwarze Deutsche, Tourist*innen, Illigalisierte und viele mehr – als völlig unterschiedliche Menschen mit den verschiedensten Hintergründen – in einen vermeintlichen Topf geworfen. Abgesehen davon, dass die Aussagen garantiert nicht auf alle Menschen der konstruierten Gruppe der „Ausländer“ zutreffen, also faktisch falsch sind und Vorurteile darstellen, sind sie stark pauschalisierend und undifferenziert.

Allzu oft bedienen sich Rechtspopulist*innen der Gefühle und Ängste der Menschen, um Sündenböcke für tief liegend, komplexe soziale Probleme zu konstruieren. Nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa formieren sich die sogenannten Pro-Bewegungen und rechtspopulistische Parteien, die vielerorts an Einfluss gewinnen oder diesen bereits in Parlamenten oder gar Regierungen ausüben. Sie profitieren dabei von der zunehmenden Arbeitslosigkeit, Zukunftsangst und sozialen Unsicherheiten bedeutender Teile der Gesellschaft, die empfänglich machen für die vermeintlich einfachen Lösungen der Rechtspopulist*innen und Nazis.

Weitere Informationen gibt es in den Publikationen
• „Refugees welcome – Gemeinsam Willkommenskultur gestalten“ und
• „pro menschenrechte. contra vorurteile. Fakten und Argumente zur Debatte über Flüchtlinge in Deutschland und Europa.“