„¡No pasarán!“: Vor 80 Jahren entfesselten Franco-Putschisten den „Spanischen Bürgerkrieg“

Ausbildung franquistischer Soldaten durch die deutsche „Legion Condor“. Quelle: wikipedia.org

Vor 80 Jahren entfesselten die Franco Putschisten in Marokko und im spanischen Kernland einen vermeintlichen Bürgerkrieg, der erst nach drei Jahren mit dem Sieg der Faschisten gegen die Zweite Spanische Republik endete. Hunderttausende von Toten und eine Jahrzehnte andauernde Diktatur waren das Ergebnis dieses Krieges, der in dieser Form ohne ausländische Einmischung, allen voran die faschistischen Staaten Deutschland und Italien, nicht möglich gewesen wäre.

Von Franziska Wilke, Julian Feller und Marko Neumann

Am 17. Juli 1936 bricht in Spanien nach einem Putsch rechtsextremer Offiziere der Bürgerkrieg aus. Die Putschisten erhalten militärische Unterstützung durch das nationalsozialistische Deutschland und das faschistische Italien, während die republikanische Regierung nur auf die Hilfe schlecht ausgerüsteter Truppen und auf Freiwilligenverbände aus dem Ausland zählen kann. Die westlichen Demokratien Frankreich, Großbritannien und USA verhalten sich strikt neutral. Nach drei Jahren ist der Krieg beendet. General Francisco Franco errichtet eine Diktatur in Spanien. Sein Sieg ist teuer erkauft, hunderttausende von Zivilisten kommen während des Bürgerkriegs ums Leben. Francos Diktatur endet erst mit dem Tod des Generals 1975. [1]

Der Spanische Bürgerkrieg gilt als Auftakt zum Zweiten Weltkrieg: Ab 1936 kämpften faschistische Truppen drei Jahre lang gegen die Zweite Spanische Republik, unterstützt vom faschistischen Italien und dem nationalsozialistischen Deutschland. Schätzungen über die Zahl der Toten gehen weit auseinander. Jüngere Forschungsergebnisse schwanken in ihren Angaben zwischen 200.000 und 500.000 Toten. [2]

Erst wenige Jahre zuvor, im April 1931, war die Zweite Spanische Republik von einem Bündnis aus Republikanern und Sozialisten ausgerufen worden – sie markierte den Übergang von der Monarchie zur Demokratie. Die junge Republik wurde nicht nur von Krisen im politischen, ökonomischen und sozialen Bereich geschwächt; darüber hinaus kam es 1931 und 1933 zu anarchistischen Putschversuchen, 1932 zu einem Putschversuch rechtsgerichteter Militärs. Ferner war die Zweite Spanische Republik politisch geschwächt, unter anderem wegen des Widerstandes gegen antiklerikale Gesetze und Protesten der Arbeitgeber gegen soziale Reformen. [3]

Spanien als Versuchsfeld der Achsenmächte

Als im Juli 1936 nationalistische Militärs gegen die Zweite Republik putschten, war der Ausgang des Bürgerkrieges nicht abzusehen. Im Grunde war nicht einmal klar, dass der Aufstand sich tatsächlich zu einem ausgewachsenen Bürgerkrieg entwickeln würde. „Wenn es ein innerspanischer Konflikt geblieben wäre, wäre der wahrscheinlich innerhalb weniger Tage oder Wochen zum Erliegen gekommen – allein schon aus Munitionsmangel“, sagt der deutsch-spanische Historiker Carlos Collado Seidel. [4]

Auch eine schnelle Niederschlagung des Konflikts wäre möglich gewesen, wenn Frankreich dem unmittelbar erfolgten Hilfeersuchen der demokratisch gewählten Madrider Regierung nach Waffenlieferungen gefolgt wäre, so Collado Seidel. Doch die schwache Volksfront-Regierung in Paris hörte nicht auf den Ruf der südlichen Nachbarn, sondern orientierte sich an Großbritannien. Und das konservative London zeigte kein Interesse an der Unterstützung einer irgendwie linksgerichteten Republik. [5]

Entscheidend für den Verlauf des Krieges wurde daher das Engagement der späteren Achsenmächte Deutschland und Italiens. Die unterstützten das nationalistische Lager massiv mit Truppen und Kriegsgerät. Wie wirksam und zugleich brutal der Einsatz der deutschen Legion Condor in Spanien war, zeigte sich beim völkerrechtswidrigen Angriff auf Guernica: Gemeinsam mit italienischen Verbänden legte die deutsche Luftwaffe die baskische Stadt am 26. April 1937 in Schutt und Asche. [6]

Hitlers wichtigste Motivation für das deutsche Eingreifen im Spanischen Bürgerkrieg war die Stärkung des Faschismus in Europa. Er fürchtete ein sozialistisches oder kommunistisches Spanien, das sich eng mit Frankreich und der Sowjetunion verbünden könnte, was seine Expansionspläne in Europa erschwert hätte. Zudem wollte er das Verhältnis zum faschistischen Italien verbessern, das die Franco-Truppen ebenfalls massiv unterstützte. Zusätzliche Gründe für die Militärhilfe waren die Sicherung spanischer Rohstofflieferungen an das Deutsche Reich und die Aussicht, die Kampfkraft der Wehrmacht, vor allem die der Luftwaffe, zu erproben. Die militärische Unterstützung Frankreichs und der Sowjetunion für die spanischen Republikaner lief dagegen nur langsam an. Schnelle und überzeugende Hilfe erhielt die Volksfrontregierung dagegen von fünf Internationalen Brigaden mit sozialistischer Ausrichtung. Ungefähr 5.000 dieser 35.000 Freiwilligen waren Deutsche, meist politische Flüchtlinge. [7]

In der Forschung ist man sich längst einig darüber, dass Franco ohne die militärische Unterstützung aus Berlin und Rom kaum gesiegt hätte – angefangen mit der Errichtung einer Luftbrücke in den Anfangstagen, die verhinderte, dass der Putsch zu einem Debakel wurde. Von November 1936 an operierte dann die deutsche Legion Condor in Spanien: Die Bombardierung des baskischen Städtchens Guernica wurde zum Sinnbild der deutschen Mitverantwortung am Tod zahlloser Menschen. Entgegen der zählebigen Legende, Görings Luftwaffe habe die Wohngebiete von Guernica nur versehentlich bombardiert, erfolgte die Zerstörung gezielt und mit voller Absicht. [8]

Bereits für die Zeitgenossen stand fest, dass in Spanien eine Auseinandersetzung zwischen den beiden großen Ideologien ausgetragen wurde, die das Europa der Zwischenkriegszeit in ihren Bann gezogen hatten. Und Franco wurde zeitlebens nicht müde, zu betonen, dass auf spanischem Boden die erste siegreiche Schlacht gegen den Bolschewismus geschlagen worden sei. „Das ist ein großartiger Sieg für den Faschismus, möglicherweise der bislang größte“, notierte der italienische Außenminister Graf Ciano angesichts des Sieges Francos Ende März 1939 in sein Tagebuch. [9]

Der faschistische Staat formierte sich – noch während des Krieges

Noch während des Bürgerkriegs nahm er den Aufbau eines faschistischen Staates in Angriff. Dessen Strukturen entwickelte Ramón Serrano Súñer, der Schwager Francos und starke Mann der Regierung, in Anlehnung an Mussolinis Italien: Der Große Faschistische Rat fand seine Entsprechung im Falange-Nationalrat. Die Arbeitsbeziehungen wurden nach italienischem Vorbild neu geordnet, die Gewerkschaften zerschlagen. Auch die Einrichtung der Cortes Españolas als Ständeparlament im Sommer 1942 steht in diesem Zusammenhang. Die gesetzliche Einführung des „römischen Grußes“ stellte da nur eine Randerscheinung dar. Wirtschaftliche Autarkie, Errichtung nationaler Trusts, Bündelung der Arbeitsbeziehungen innerhalb von Syndikaten, die Schaffung eines Imperiums auf Kosten des französischen Kolonialbesitzes in Nordafrika, die „spirituelle Erneuerung“ Spaniens – das waren die ideologischen und politischen Grundpfeiler, auf denen Francos „neues Spanien“ ruhte, in dem das Nationale mit dem Sozialen verbunden werden sollte. [10]

Als Besonderheit im Vergleich zum italienischen Faschismus und zum Nationalsozialismus gilt die Nähe des Franco-Regimes zur katholischen Kirche. Allerdings rangierte auch in Spanien das Nationale stets vor dem Katholischen, wie Franco schon in seiner Ansprache nach der Ausrufung zum Generalissimus und Staatschef am 1. Oktober 1936 klarstellte. Gleichwohl erwies sich die Doktrin der katholischen Kirche als ein äußerst wirkungsvolles Instrument – nicht zuletzt zur Fanatisierung während des Bürgerkriegs. So wurde der Kampf gegen die Verteidiger der Republik in Analogie zur mittelalterlichen Reconquista als Kreuzzug und Rückeroberungskampf gedeutet. So, wie das christliche Spanien die Mauren am Ende des Mittelalters von der Iberischen Halbinsel verdrängt hatte, galt es nun, einen Krieg gegen die „gottlosen Horden Moskaus“ zu führen. [11]

Das Vermächtnis des Krieges und der Diktatur

„Am heutigen Tag haben die nationalen Truppen ihre letzten militärischen Ziele erreicht. Die rote Armee ist entwaffnet und besiegt. Der Krieg ist beendet.“ Am 1. April 1939 unterzeichnete General Francisco Franco den letzten Heeresbericht des Spanischen Bürgerkrieges. Damit endeten die fast drei Jahre währenden Kämpfe zwischen dem republikanischen Lager und den Putschisten um Franco. [12]

In den Jahren nach Franco schien zunächst Konsens darüber zu herrschen, dass die Gräben der Vergangenheit nicht aufgerissen, sondern durch Schweigen überdeckt werden sollten. Eine Aufarbeitung der Bürgerkriegsverbrechen und der massiven Repressionen der Franco-Ära wurde einem zumindest vordergründig vorhandenen gesellschaftlichen Frieden geopfert. Der Krieg sei „kein Ereignis, dessen man gedenken sollte“, sagte selbst der sozialistische Ministerpräsident Felipe González, der Spaniens von 1982 bis 1996 regierte. [13]

Mit zunehmendem Abstand zur Zeit der Diktatur sind jedoch insbesondere die Nachfahren der Opfer des franquistischen Terrors nicht mehr bereit, über die Verbrechen der Vergangenheit zu schweigen. Sie fordern Aufklärung und eine Rehabilitierung der Opfer. Vor allem seit im Zuge der sogenannten Gedächtnisbewegung seit der Jahrtausendwende immer mehr Tote exhumiert werden – mittlerweile sind es schon mehr als 20.000 -, die von Francos Schergen in Massengräbern verscharrt wurden, hat die Debatte über die Bewertung des Bürgerkriegs und der anschließenden Franco-Zeit breite Teile der Öffentlichkeit erfasst. [14]

Der Spanische Bürgerkrieg wurde auf beiden Seiten mit einem Höchstmaß an Einsatzbereitschaft, aber auch an Brutalität geführt. Zum Sinnbild für die Grausamkeit des Kriegs wurde die Zerstörung Guernicas mit rund 2.000 Toten am 26. April 1937, die Pablo Picasso noch im selben Jahr in seinem berühmt gewordenen Gemälde darstellte. Die heilige Stadt der Basken und Symbol ihres Unabhängigkeitswillens war durch Luftwaffeneinheiten der deutschen Legion Condor bombardiert worden. Die Luftwaffen- sowie Panzer-, Transport- und Nachrichteneinheiten der Wehrmacht und die Unterstützung aus Italien waren schließlich Garanten für den Sieg Francos im Frühjahr 1939. Trotz der Waffenhilfe blieb Spanien im wenige Monate später beginnenden Zweiten Weltkrieg aber offiziell neutral. [15]

Noch im Jahr 1960 stellte der CSU-Politiker Richard Jaeger vor dem Deutschen Bundestag zum Wesen der Franco-Diktatur fest: „Es ist ja auch die Diktatur in einem romanischen Volk; sie wird also weder mit preußischer Exaktheit noch mit deutscher Perfektion durchgeführt, sondern eben in der etwas leichteren Lebensart dieser Völker.“ Diese Ansicht ist bis heute weit verbreitet. Doch Francos Regime blieb bis zumTod des Diktators im Jahr 1975 brutal und repressiv – und stellte sich mit rücksichtsloser Gewalt allen Forderungen nach Freiheit und Demokratie entgegen. Die nach dem demokratischen Neuanfang viele Jahre lang verdrängte Erinnerung an die Franco-Diktatur ist inzwischen zurückgekehrt. Noch auf Jahre hinaus wird die spanische Gesellschaft mit ihrer Aufarbeitung intensiv beschäftigt sein. [16]

Fußnoten:

[1] http://www.n24.de/n24/Mediathek/Dokumentationen/d/2669702/beginn-spanischer-buergerkrieg.html

[2] http://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/231078/1936-spanischer-buergerkrieg-14-07-2016

[3] http://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/231078/1936-spanischer-buergerkrieg-14-07-2016

[4] http://www.sueddeutsche.de/politik/ende-des-spanischen-buergerkrieges-vor-jahren-der-kampf-endet-der-terror-dauert-an-1.1925708

[5] http://www.sueddeutsche.de/politik/ende-des-spanischen-buergerkrieges-vor-jahren-der-kampf-endet-der-terror-dauert-an-1.1925708

[6] http://www.sueddeutsche.de/politik/ende-des-spanischen-buergerkrieges-vor-jahren-der-kampf-endet-der-terror-dauert-an-1.1925708

[7] https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/aussenpolitik/spanischer-buergerkrieg.html

[8] http://www.zeit.de/zeit-geschichte/2013/03/spanischer-buergerkrieg-francisco-franco

[9] http://www.zeit.de/zeit-geschichte/2013/03/spanischer-buergerkrieg-francisco-franco

[10] http://www.zeit.de/zeit-geschichte/2013/03/spanischer-buergerkrieg-francisco-franco/seite-3

[11] http://www.zeit.de/zeit-geschichte/2013/03/spanischer-buergerkrieg-francisco-franco/seite-3

[12] http://www.sueddeutsche.de/politik/ende-des-spanischen-buergerkrieges-vor-jahren-der-kampf-endet-der-terror-dauert-an-1.1925708

[13] http://www.sueddeutsche.de/politik/ende-des-spanischen-buergerkrieges-vor-jahren-der-kampf-endet-der-terror-dauert-an-1.1925708-2

[14] http://www.sueddeutsche.de/sueddeutsche.de/…/ende-des-spanischen-buergerkrieges-vor-jahren-der-kampf-endet-der-terror-dauert-an-1.1925708politik/ende-des-spanischen-buergerkrieges-vor-jahren-der-kampf-endet-der-terror-dauert-an-1.1925708-2

[15] https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/aussenpolitik/spanischer-buergerkrieg.html

[16] http://www.zeit.de/zeit-geschichte/2013/03/spanischer-buergerkrieg-francisco-franco/seite-3