Titel „Gerechte unter den Völkern“ der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Greifswald verliehen

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Die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem vergibt seit den 1950er Jahren den Titel „Gerechte unter den Völkern“. Der Titel wird an nichtjüdische Menschen verliehen, die im faschistischen Deutschland ihr Leben riskierten, um Jüdinnen und Juden zu retten. Nun wurde Mathilde Böckelmann aus Pustow dieser Titel verliehen. Die Zeremonie fand in Greifswald statt.

Von Franziska Wilke und Julian Feller

Am 30. April 1945 nahm die Rote Armee die Stadt Greifswald kampflos ein. An diesem Tag befreite sie auch eine 15-jährige Jüdin in Pustow, nahe der Hansestadt, die unter falscher Identität im Gutshaus lebte. Die Bäuerin Mathilde Böckelmann hatte das Mädchen mehrere Monate vor den Nazis versteckt und ihm das Leben gerettet. [1]

Es ist eine große Ehre für unser Land, die Auszeichnung einer „Gerechten unter den Völkern“ erstmals zu begehen und mitzugestalten“, betonte Ministerpräsident Erwin Sellering bei der Verleihung in Greifswald. [2]

Anfang 1945 hatte Mathilde Böckelmann die Jüdin Mirjam Fernbach für einige Monate auf ihrem Hof im vorpommerschen Pustow versteckt und ihr so das Leben gerettet. Die Tochter eines Rabbis, die heute in Tel Aviv in Israel lebt, hatte seit Januar 1943 zunächst bei einer Familie in einem Berliner Vorort Unterschlupf gefunden, weil sie in ein KZ deportiert werden sollte. Fernbach ist aus Anlass der Ehrung nach Deutschland gekommen. Am Dienstag hatte sie Pustow besucht. [3]

„Ich wollte diesen Ort noch einmal sehen. Ich habe nur gute Erinnerungen an Pustow“, sagte Mirjam Fernbach. Sie sei glücklich, dass Mathilde Böckelmann posthum die Auszeichnung erhalte. Für die Feier kam zudem der israelische Botschafter Yakov Hadas-Handelsman nach Greifswald. [4]

Personen, die als Gerechte bzw. Gerechter unter den Völkern anerkannt werden, wird eine eigens geprägte Medaille und eine Ehrenurkunde verliehen. Ihre Namen werden der Ehrenmauer im Garten der Gerechten in Yad Vashem in Jerusalem hinzugefügt. [5]

Insgesamt wurden 26.119 Menschen, darunter 587 Deutsche, vom Staat Israel mit dem Titel „Gerechte unter den Völkern“ geehrt. 1953 verabschiedete das israelische Parlament das „Gesetz über die Märtyrer und Helden“. Die Regierung beauftragte die Gedenkstätte „Yad Vashem“ die „Gerechten unter den Völkern“ zu ehren. Die vier Hauptkriterien für eine Anerkennung sind: Eine konkrete und sicher bezeugte Rettungsaktion für Juden oder Teilnahme an einer solchen. Ein nachweislich eingegangenes persönliches Risiko. Kein Verlangen einer Gegenleistung für die gewährte Hilfeleistung. Nichtjüdische Abstammung. Einer der berühmtesten „Gerechten“ ist Oskar Schindler, bekannt aus dem Film „Schindlers Liste.“ [6]

 

Fußnoten:

[1] http://www.svz.de/regionales/mecklenburg-vorpommern/ich-wollte-einfach-nur-leben-id15419936.html

[2] http://www.focus.de/regional/schwerin/schwerin-gemeinsam-stehen-wir-fuer-vielfalt-weltoffenheit-und-miteinander_id_6244475.html

[3] http://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Juedin-gerettet-Yad-Vashem-ehrt-Vorpommerin-,gerechte100.html

[4] http://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Juedin-gerettet-Yad-Vashem-ehrt-Vorpommerin-,gerechte100.html

[5] http://www.focus.de/regional/schwerin/schwerin-gemeinsam-stehen-wir-fuer-vielfalt-weltoffenheit-und-miteinander_id_6244475.html

[6] http://www.svz.de/regionales/mecklenburg-vorpommern/ich-wollte-einfach-nur-leben-id15419936.html