Zur Geschichte des Konzentrationslagers Wöbbelin

Das KZ Płaszow, zunächst ein Arbeitslager, in der Nähe von Krakau, Polen. Quelle: wikipedia.org

Das Konzentrationslager Wöbbelin, das nur wenige Kilometer von Ludwigslust entfernt liegt, bestand vom 12. Februar bis zum 2. Mai 1945, also gerade einmal zehn Wochen. Dennoch sollte auch hier zum Kriegsende hin noch einmal die volle Grausamkeit des NS-Regime deutlich werden.

Ende 1944 wurde mit den Planungen des Konzentrationslager Wöbbelin begonnen. Das ca. 30km südlich von Schwerin liegende Areal sollte allerdings nie fertig gestellt werden und kam deshalb über das bauliche Endstation nicht hinaus. Am 15. Februar 1945 wurde ein erster Transport von etwa 700 Häftlingen aus dem KZ Neuengamme im Lager „Reiherhorst“ – so der Name eines kleineren Konzentrationslagers, keine 500 Meter vom Hauptlager entfernt – untergebracht. Das Gebiet bei Wöbbelin war ursprünglich für britische und US-amerikanische Kriegsgefangene konzipiert, jedoch gab es keine Verwendung mehr für solch ein Lager.

Das Wachpersonal wurde durch die SS gestellt und setzte sich hauptsächlich aus den Mannschaften des ehemaligen KZ Stutthof zusammen. Der Lagerkommandant, Obersturmbannführer Paul Werner Hoppe, hatte auch schon in Stutthof als Kommandant „gearbeitet“. Die ersten Häftlinge sollten das Lager eigentlich fertig stellen, doch über das Rohstadium kamen die Baracken nicht hinaus. So gab es denn im Außenlager Wöbbelin auch keine Betten. Die Menschen mussten auf dem blanken Ziegelboden schlafen. Auch gab es keinerlei sanitären Anlagen, wie sie zumindest zum Schein selbst in anderen Konzentrationslagern üblich waren. Die Arbeitsbedingungen waren mehr als grausam. Nach offizieller Inbetriebnahme des Lagers diente es zunächst als Zwischenlager für Häftlinge, die aus anderen Konzentrationslagern kamen und die Todesmärsche überlebten. Selbst aus dem Konzentrationslager Auschwitz, indem im Laufe des Krieges insgesamt über 1,2 Millionen Menschen ermordet wurden, kamen hier Häftlinge an. Insgesamt waren in Wöbbelin Menschen aus 16 verschiedenen Nationen gefangen gehalten. Die SS stellte die Versorgung des Lagers für die Häftlinge schon nach kurzer Zeit komplett ein. Es starben mehr Menschen an Entkräftung und an Unterernährung, als an den Schlägen, Tritten und Folterungen durch die Wachmannschaften. Das Elend war so groß, dass es zu Kannibalismus unter den Gefangenen kam.

Nach nur wenigen Wochen wurde das Konzentrationslager von dem Kommandanten auch schon wieder aufgegeben. Ende April wurden Vorbereitungen für eine „Evakuierung“, also einen Todesmarsch in andere Lager, getroffen. Am ersten Mai, nur wenige Tage vor der gesamtdeutschen Kapitulation, wurden alle transportfähigen Häftlinge in einen Güterzug wie Vieh verladen. Die SS-Wachen durchsuchten das Lager und erschossen alle, die sich versteckt hielten.

Die in die Züge eingepferchten Menschen mussten dort fast 24 Stunden ausharren, bis sei schließlich wieder ins Lager zurückgetrieben wurden. Warum der Zug nicht losfuhr, ist bis heute nicht bekannt. Doch das Grauen war für die Häftlinge nicht vorbei. Die Wachmannschaften stellten eine Marschkolonne in Richtung Schwerin zusammen. Etwa 3.500 Menschen blieben im Lager entkräftet zurück. Sie waren so schwach, dass die KZ-Wachen ihnen ohnehin keine Überlebenschance gaben. Doch als US-Truppen immer näher an das Lager heranrückten, flohen die letzten verbliebenen SS-Schergen und ließen die Häftlinge zurück, jedoch nicht ohne einige Hilfskräfte, sogenannte Kapos, mit Waffen auszustatten, damit diese die Häftlinge weiter unter Kontrolle hielten. Während der Mittagszeit des 2. Mai 1945 wurde das Außenlager Wöbbelin endlich von Soldaten der 82. US-Luftlandedivision der US-Army befreit. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten im Konzentrationslager über 1000 Menschen ihr Leben verloren. Etwa 5.000 Menschen wurden in den wenigen Wochen des Bestehens dorthin verschleppt.

Der Divisionskommandant James M. Gavin ordnete nach dem Erreichen des Lagers an, dass die Bevölkerung der Umgebung die Massengräber der hunderten ermordeten Menschen ausheben und die Leichen einzeln bestatten sollen. An den Beerdigungen musste aus jeder Familie mindestens eine Person teilnehmen. Niemand sollte die Gräueln, dass die selbsternannten Herrenmenschen angerichtet hatten, später leugnen können. Sogar nach der Befreiung starben noch ca. 200 Menschen an den Folgen der barbarischen Bedingungen im Lager.