Emilio Zapata

Die mo­der­ne za­pa­tis­ti­sche Be­we­gung im Süden Me­xi­kos sieht sich heute in der Tra­di­ti­on des im Jahre 1919 er­mor­de­tet me­xi­ka­ni­schen Re­vo­lu­tio­ns­füh­rer Emi­lia­no Za­pa­ta. Doch wer war die­ser Revo­lu­tio­när? Wie kam er zu sei­nen Über­zeu­gun­gen? Und in wie weit prägt er die Neo­za­pa­tis­ten, denen er sei­nen Namen gab?

Im Mai 2014 gab Subcomandante Marcos bekannt, sich aus dem Licht der Öffentlichkeit zurückziehen zu wollen. Es brauche keinen Chef oder Anführer, keinen Messias oder Erlöser für Rebellion und Kampf. Quelle: kwerfeldein.de

Ju­gend und frühe po­li­ti­sche Ak­ti­vi­tä­ten.

Emi­lio Za­pa­ta wurde am 8. Au­gust 1879 in San Mi­guel Anen­e­cuil­co (Mo­re­los) als Sohn einer in­dia­ni­schen Mut­ter und eines wei­ßen Va­ters ge­bo­ren. Ob­wohl Emi­lio in einer be­hü­te­ten Fa­mi­lie auf­wuchs, er­kann­te er be­reits in frü­hen Jah­ren die Miss­stän­de, unter denen vor allem die in­di­ge­ne Be­völ­ke­rung, die haupt­säch­lich aus ver­arm­ten Bau­ern be­stand, litt. Die große po­li­ti­sche Bühne be­trat Emi­lio al­ler­dings erst im Jahre 1909, als sich er und an­de­re Bau­ern in Mo­re­los wäh­rend des Wahl­kamp­fes um den Pos­ten des Gou­ver­neurs an der Kam­pa­gne der le­ga­len Op­po­si­ti­on be­tei­lig­te. Im sel­ben Jahr wurde der mitt­lerweile schon drei­ßig­jäh­ri­ge Za­pa­ta zum Prä­si­den­ten des Ver­tei­di­gungs­ra­tes („junta de de­fen­sa“) von Anen­e­cuil­co ge­wählt. Bei die­sem Rat han­delt es sich um ein Ko­mi­tee zur Ver­tei­di­gung der Land­rech­te von Dör­fern.

End­gül­tig bei den Re­vo­lu­tio­nä­ren ge­lan­det.

Nur ein Jahr spä­ter fand Emi­lio di­rekt zu den me­xi­ka­ni­schen Re­vo­lu­tio­nä­ren, deren Haupt­ziel zu die­sem Zeit­punkt die Ver­trei­bung des Re­gimes Por­firio Díaz war. 1911 wurde Za­pa­ta dann zum Kom­man­deur der im Süden kämp­fen­den re­vo­lu­tio­nä­ren Trup­pen – die haupt­säch­lich aus be­sitz­lo­sen Bau­ern und Land­ar­bei­tern be­stand – ge­wählt. Trotz der zah­len­mä­ßi­gen und waf­fen­tech­ni­schen Un­ter­le­gen­heit der re­vo­lu­tio­nä­ren Trup­pen, ge­lang es ihnen in einem die me­xi­ka­ni­schen Bun­des­trup­pen zer­mür­ben­den Gue­ril­la­krieg, immer wie­der Er­fol­ge zu er­zie­len. Der Hö­he­punkt die­ser Er­fol­ge war die Ein­nah­me der Haupt­stadt Mo­re­los, Cu­er­na­va­ca.

Wäh­rend eines Put­sches im Jahr 1913 kam der äu­ßerst un­be­lieb­te Oberst Vic­to­ria­no Hu­er­ta an die Macht und Fran­cis­co Ma­de­ro, bis dahin Füh­rer der ge­sam­ten re­vol­utio­nä­ren Be­we­gung in Me­xi­ko, wurde vom Mi­li­tär er­mor­det. Za­pa­ta ver­bün­de­te sich dar­auf hin mit Pan­cho Villa, der Auf­stän­di­sche im Nor­den be­feh­lig­te und eben­falls eine Armee gegen die neue Re­gie­rung auf­ge­stellt hatte.

Nur kurze Zeit spä­ter wurde Hu­er­tas er­mor­det und bald kam es zu Un­stim­mig­kei­ten unter ein­zel­nen re­vo­lu­tio­nä­ren Grup­pie­run­gen. Venus­tia­no Car­ran­za, der no­mi­nel­le Be­fehls­ha­ber aller re­vo­lu­tio­nä­ren Trup­pen, woll­te sich zum Prä­si­den­ten aus­ru­fen las­sen. Mit Un­ter­stüt­zung ei­ni­ger me­xi­ka­ni­scher Mi­li­tärs ge­lang dies Car­ran­za auch. Zur glei­chen Zeit kämpf­te Za­pa­ta im Süden Me­xi­kos wei­ter, ob­wohl der Sieg sei­nes Ri­va­len be­reits so gut wie si­cher war.

Za­pa­tas Tod.

Auf Car­ran­z­as Be­fehl wurde Emi­lio Za­pa­ta am 9. April 1919 von einem Oberst der me­xi­ka­ni­schen Armee, mit deren Hilfe Car­ran­z­as die Prä­si­dent­schaft er­rang, nach Chi­na­me­ca ein­ge­la­den. Zur Begrü­ndung gab der Oberst an, er wolle zu den Re­vo­lu­tio­nä­ren über­lau­fen. Als Za­pa­ta am nächs­ten Tag er­schien, wurde die­ser von me­xi­ka­ni­schen Bun­des­trup­pen er­war­tet und mit einem re­gel­rech­ten­ Ku­gel­ha­gel emp­fan­gen. Die Lei­che Za­pa­tas wurde an­schlie­ßend nach Cu­aut­la ge­bracht, dort aus­ge­stellt und nach ewi­gen Tagen auch be­gra­ben. Der Tod Za­pa­tas war ein re­gel­rech­ter Schock für die re­vo­lu­tio­nä­re Be­we­gung, die mehr und mehr zu­sam­men­brach. Ins­be­son­de­re der Ver­rat des ehe­ma­li­gen An­füh­rers der Re­vo­lu­tio­nä­re, Car­ran­z­as, ließ viele Bau­ern und Land­ar­bei­ter, die sich den Auf­stän­di­schen an­ge­schlos­sen hat­ten, von der Be­we­gung Ab­stand neh­men.

Za­pa­tas Vermächtnis.

Viele My­then ran­ken sich um Emi­lio Za­pa­ta, im eu­ro­päi­schen Raum ist er haupt­säch­lich durch Hol­ly­wood Filme be­kannt, die sein Leben mal mehr mal we­ni­ger au­then­tisch wie­der geben. Als Vor­bild – so­wohl in po­li­ti­scher aber oft auch in kul­tu­rel­ler Hin­sicht – dient Za­pa­ta heute in­di­ge­nen Be­völ­ke­run­gen in der gan­zen Welt. Be­son­ders in Süd­ame­ri­ka, spe­zi­ell in Me­xi­ko, neh­men Auf­stän­di­sche den Ehr­geiz und Wa­ge­mut Za­pa­tas als Vorbild für ihren Frei­heits­kampf. Be­fin­den sich die Neo­za­pa­tis­ten heute doch in einer ganz ähn­li­chen Si­tua­ti­on, wie die Re­vo­lu­tio­nä­re An­fang des zwan­zigs­ten Jahr­hun­derts. Volkser­zäh­lun­gen, die oft schon ver­klä­rend die Per­son Emi­lio Za­pa­ta dar­stel­len, las­sen dabei schnell ver­ges­sen, dass nicht Za­pa­ta al­lei­ne, son­dern viele tau­send Men­schen in Me­xi­ko für ihre Frei­heit käm­pf­ten.